Eine Wiedereinführung der Kontaktdatenerhebung in Diskotheken und Tanzlokalen würde die Wirtschaftlichkeit gefährden

SBCK | Schweizer Bar und Club Kommission

Die Schweizer Nachtkulturunternehmen setzen sich mit der konsequenten Umsetzung der Zertifikatszutrittsbeschränkung und aktiver Aufklärung zum Thema Impfen für die gemeinsame Bewältigung der Pandemie ein. Doch nun droht der Frust zuzunehmen, nachdem der Bundesrat durch das Abschaffen von kostenlosen Tests bei asymptomatischen Menschen die Wirtschaftlichkeit der Schweizer Nachtkulturunternehmen weiter einschränkt, schlägt er nun vor, dass je nach epidemiologischer Lage in Diskotheken und Tanzlokalen, zusätzlich noch die Kontaktdaten erhoben werden müssen. Der Bundesrat nimmt durch seinen Vorschlag nicht nur das Risiko des wirtschaftlichen Lockdowns einer ganzen Branche in Kauf, er gefährdet tausende von Arbeitsplätzen und riskiert eine weitere Zunahme von privaten und illegalen Anlässen ohne irgendwelche Schutzkonzepte.

Auch wenn das Risiko nicht bei null liegt, zeigt sich, dass das Covid-Zertifikat seine Wirkung zeigt. Mit der steigenden Impfquote ist auch davon auszugehen, dass das Übertragungsrisiko nochmals sinkt. Im Kanton Zürich wurden beispielsweise in den letzten Wochen jeweils pro Woche 3 Ereignisse in Clubs und maximal insgesamt 6 bestätige Ansteckungsfälle ausgewiesen (im Schnitt 2 pro Ereignis). Dies bei insgesamt rund 3'500 Covid-19 Ansteckungen und mehr als 60 Tanzveranstaltungen pro Woche mit über 15'000 Gästen.

Gefährdete Balance zwischen Schutzkonzept und Bereitschaft der Gäste diese umzusetzen

Die Wiedereinführung der Kontaktdatenerhebung würde die fragile Balance zwischen Schutzmassnahmen und der Bereitschaft der Gäste sich an diese zu halten, definitiv zum Kippen bringen. Nach den Erfahrungen in der Gastronomie in den letzten Monaten lässt sich klar sagen, dass die Bereitschaft, insbesondere der geimpften Gäste, sehr klein sein wird, gleichzeitig zur Zertifikatsprüfung noch die Kontaktdaten anzugeben. Ein Grund wieso das Zertifikat eine hohe Akzeptanz erfährt ist, dass bei der Überprüfung keine Daten gespeichert werden. Eine Kombination von Zertifikatspflicht mit gleichzeitiger Erhebung der Kontaktdaten wäre als Signal fatal. Die Gäste würden zunehmend auf private und illegale Anlässe ohne irgendwelche Schutzkonzepte ausweichen.

Mehr Aufwand, weniger Gäste, keine Wirtschaftlichkeit

Die Wirtschaftlichkeit einer ganzen Branche wäre in Gefahr, wenn neben dem Zertifikatsobligatorium und dem Abschaffen der kostenlosen Tests noch die Erhebung der Kontaktdaten hinzukommen soll. Da damit zu rechnen, dass zusätzlich zu den geschätzten 30% der potentiellen Gäste die das Zertifikat ablehnen oder sich kostenpflichtige Tests nicht leisten können, wohl auch noch ein Teil der Geimpften, den Veranstaltungen fernbleiben werden. Bei einem Eigenfinanzierungsanteil von 100% ist dies fatal, da zugleich die Kosten steigen werden. Der Sicherheitspersonalmehraufwand der jetzt schon durch eine seriöse Prüfung des Zertifikates entsteht, liegt bei rund 25%. Durch das Erfassen und Prüfen der Kontaktdaten würde nochmals ein Personalmehraufwand von 20% bis 40% hinzukommen. Dies kann bei einem grösseren Club gleichbedeutend mit mehreren zusätzlichen Stellen sein. Dabei können die beiden Arbeitsschritte Zertifikatskontrolle und Kontaktdatenerhebung aufgrund des Datenschutzes nicht miteinander verbunden werden.

Kontaktdaten, zu welchem Zweck?

Die grosse Frage ist, zu welchem Zweck werden die Kontaktdaten gesammelt. Die Mehrheit der Gäste ist geimpft und alle Kantone haben das Contact Tracing zurückgefahren. Eine detaillierte Nachverfolgung findet in den meisten Fällen jetzt schon nicht statt, geschweige denn wenn gleichzeitig mehrere hundert Gäste kontaktiert werden müssten. Eine Wiedereinführung der Kontaktdatenerhebung lässt sich nicht rechtfertigen, wenn es nur darum geht denn evtl. betroffenen Gästen, Tage nach der Veranstaltung, ein Sensibilisierungs-SMS zuzusenden. Dies kann genauso gut und schneller über die Kommunikationsstrukturen der betroffenen Betriebe erfolgen.

Damit die Kultur der Nacht, die Jugendlichen in der Schweiz eine Perspektive haben, braucht es:

  • Keine zusätzliche Erhebung der Kontaktdaten solange eine Zertifikatspflicht gilt.
  • Weiterführung der flankierenden Entschädigungsmassnahmen im Kulturbereich, Anpassung des Härtefalls an die Dauer, in welcher Unternehmen von wirtschaftlichen Einschränkungen betroffen sind oder branchenspezifische Lösungen.
  • Weiterführung des vereinfachten Verfahrens für die Kurzarbeit und des Covid-Erwerbsersatz.
  • Es gilt eine langfristige Perspektive zu schaffen. Bis jetzt wurden Massnamen verfügt, ohne ein Ablaufdatum anzugeben. Nicht nur unsere Branche braucht klare Aussagen dazu, wie lange sie mit dem aufrechterhalten der aktuellen Massnahmen rechnen muss und ab wann und unter welchen Umständen wieder mit sowas wie der Normalität zu rechnen ist.

Medienmitteilung SBCK vom 31.08.2021