Wunschzettel an den
Kanton Luzern

Gianluca Pardini | Geschäftsleitung IG Kultur Luzern

Der Kanton Luzern beabsichtigt, die Villa Senar in Hertenstein für rund 15.5 Mio. Franken zu erwerben.  So wichtig und richtig das Vorhaben ist, sorgt es dennoch für Diskussionen bei Kulturvertreter*innen.

Sehr plötzlich verkündet der Luzerner Regierungsrat, dass die Villa Senar in Hertenstein (Weggis) gekauft werden soll. Offenbar aufgrund eines unklar formulierten Testaments und demzufolge auch, um ein langwieriger Erbstreit und zermürbende Gerichtsverhandlungen zu verhindern. Uns ist bewusst: Es handelt sich bei der Liegenschaft um einen unwidersprochen besonders schützenswerten Ort.

Die Villa Senar in Hertenstein wurde in den 1930er-Jahren durch den Pianisten, Dirigenten und Komponisten Serge Rachmaninoff erbaut, steht seit 2018 unter Denkmalschutz und nimmt im Werk von Serge Rachmaninoff eine Schlüsselstellung ein. Auch handelt es sich bei der Villa und weiteren Gebäuden in der 20'000 Quadratmeter umfassenden Parkanlage architektonisch um Pionierbauten des Neuen Bauens in der Zentralschweiz. Der Regierungsrat trägt mit dem Kauf der Villa dazu bei, dass das Kulturerbe erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Denn mit dem Erwerb der Erbschaft verpflichtet sich der Kanton auch zum Betrieb eines Kulturzentrums zur Dokumentation des Werks von Serge Rachmaninoff.

Grosse kulturhistorische Bedeutung

Wir dementieren in keinem Fall die hohe kulturhistorische Bedeutung der Villa Senar und deren Umgebung. Es ist schlechthin ein wichtiges schützenswertes kulturelles Denkmal. Mit dem Kauf und dem Erhalt der Liegenschaften können künftige Generationen von einem neuen kulturellen Erbe profitieren. Dennoch überrascht die Entschlossenheit des Regierungsrats in einem kulturpolitischen Dossier und wirft berechtigterweise auch Fragen auf.

Es müsste doch nun endlich wieder darüber diskutiert werden, ob der Kanton Luzern weiter in Strukturen oder endlich auch wieder vermehrt in Inhalte investieren sollte. Im Kampus Südpol in Kriens ist vor nicht allzu langer Zeit ein neues modernes Konzertgebäude entstanden, das Luzerner Theater soll durch einen Neubau in die Zukunft geführt werden und das KKL befindet sich coronabedingt in einem Krisenmodus. Der Kanton will sich mit dem Kauf und anschliessender Renovation der Villa für ein neues Kulturzentrum verpflichten, dessen Unterhalt der Regierungsrat auf 300’000 Franken jährlich schätzt. Wohl verstanden ohne kulturelles Programm. Die Folgekosten fürs Budget der kantonalen Kulturförderung sind nicht abschätzbar.

Andere Baustellen sind wichtiger

Unserer Ansicht nach hat der Kanton andere kulturpolitische Baustellen zu lösen: So beispielsweise die regionale Kulturförderung und der labile Zustand der RKK (Regionalkonferenz Kultur). Ein Vergleich: Für 22 mittelgrosse Institutionen und Festival stehen in der RKK jährlich gerade mal 500’000 Franken für Strukturbeiträge zur Verfügung. Diese Mittel sind mit der ungewissen Zukunft der RKK stark unter Druck geraten. Seit Jahren verkünden die Trägergemeinden ihren Austritt aus der RKK. Der Kanton schaut tatenlos zu...

Die konkrete kulturelle Nutzung der Villa Senar wird noch klar zu definieren sein. Welche Rolle die Stiftung Rachmaninoff einnehmen wird ist noch unklar – aus Kulturkreisen sieht man einerseits Potenzial, andererseits ist man überrascht über die Kurzfristigkeit und in einigen Augen über die unübliche Entschlossenheit des Regierungsrats in Sachen Kulturförderung. Somit richten wir uns mit einem Wunschzettel an den Luzerner Regierungsrat: Bitte, bitte die gleiche Entschlossenheit in anderen Kulturthemen.